Ausdruckskunst

Eine Pinselspur auf dem Papier,
eine Äußerung ohne Absicht,
die nur dem eigenen Bedürfnis folgt,
bringt den Menschen zu sich selbst zurück.
(Arno Stern)

Farbe,
wie Regentropfen,
fällt auf das Papier
Zieht Kreise
wie Regentropfen auf dem Wasser
Fließt
Mischt sich
Formt sich
gelenkt vom Pinsel des Herzens,
wie ein Regenbogen

Wenn wir äußere und innere Bewegung in eins zusammenführen, dann geht es um Sehnsucht, noch intensiver, noch feinfühliger, noch sorgfältiger zu finden, was genau das unsere ist, unser Ausdruck, unser innerer Reichtum. Und Reichtum sind auch Erfahrungen und Erlebnisse, schwere, leidvolle und schöne und glückliche. So formulierte eine Freisinger Künstlerin ihr Empfinden bei meiner Ausstellung „Farbe – Form – Bewegung“ und ergänzte, dass Kunst eine Möglichkeit eröffnet, sich, das Leben, die Dinge, die Ereignisse, mit denen man so unterwegs ist, mit eigenen Augen, neu und tiefer zu erfassen und zu sehen. Die Sicht – Weisen ändern sich.

Wichtig ist mir in meinem Wirken, sowohl in der Begleitung mit all den ganz unterschiedlichen Anliegen, als auch in meinem eigenen künstlerischem Ausdruck, der Prozess. Immer wieder neugierig werden und weiter gehen, auch stehen bleiben, umdrehen von Zeit zu Zeit, die Richtung wechseln. Den ganz ureigenen Weg erleben! Jeden einzelnen Augenblick mit seinen Gefühlen tief erleben, auch das Hadern, das Ringen, gerade die Auseinandersetzung. Diese Entdeckungsreise mit all seinen Facetten bereichert und nährt Leben und Lebendigkeit. Dieses miteinander Unterwegssein kann sich auch zwischen Menschen abspielen. Die hier geteilte Poesie, zu denen Christian durch meine Arbeit inspiriert wurde, haben ihrerseits mich zu neuen Bildern beflügelt.

Ich fühle
die Schwingungen meiner Seele
mit dem Pinsel nach.
Farben blühen auf dem Papier.
Die Sonne geht auf
– ein neuer Tag!
Ich teile ihn mit dir.

Farben
pulsieren
in den Adern meines Herzens.
Sie klopfen und pochen
im Takt meiner Liebe,
fließen
dem Ruf des Universums folgend,
bis sie den Strom meines
Bewusstseins erreicht haben.
Sie spülen Gedanken, Bilder und Gefühle an,
ziehen weiter, wie die Wellen am Meeresrand.
Zurück bleibt ein Bild im Sand.
Ich male es ab, bevor es zerrinnt.

Farben pulsieren, in den Adern meines Herzens, sie klopfen und pochen, im Takt meiner Liebe. So endeten die Eröffnungsworte von meinem Trommellehrer bei meiner Einzelausstellung „Farbenlust“ und formulierte u.a. auch folgende Empfindungen als Musiker, Komponist, Pianist und Trommler, ganz dem Hören vertraut, in seinen Worten: So machen die Bilder von Alexandra mit uns, was wir wollen und wir mit ihnen, was sie vielleicht nicht wollen – in einem anregenden Prozess des gegenseitigen Austauschs. So war meine erste Begegnung mit den Bildern. Ich fühlte mich angeregt – seltsam in Bewegung gesetzt – in Schwingung gebraucht – in eine Heiterkeit getrieben – in das Düstere gelockt – in die Geistesfreiheit entlassen. Und das war das, das hinter allem stand. Die Bilder verkörpern Rhythmus. Sie pulsieren, tragen fort, haben Tempo, halten inne, schlagen Haken, kreisen, stoppen. Die Bilder regten mich an – ich fühlte mich hingezogen – ich spürte das Bedürfnis, das, was ich sah, die Farben, die Formen, die Ideen, zu benennen – ein Beispiel: Ein Block aus Blau lehnt sich an einen Pfeiler aus Rot, aufgestützt auf einer Mauer aus Gelb. Drei Wesen also unterwegs. Ein Dreieck. Ein Komposition aus drei Farben, drei Formen, drei Motiven. Hinzu kommt ein Grün, etwas schmutzig, etwas verwaschen. Das ist nicht nur zum Anschauen, das ist auch zum Hinhören, Lauschen und Spüren und in Resonanz gehen. Die Feuerenergie des Roten, die Luftenergie des Blauen, die Erdenenergie des Gelben. Auf der Trommel gehört das Bodenständige dem Dunkeln, der Tumba, der tiefen Trommel und da dem Beat. Die nach oben strebende Energie des Feuers der Conga, der höher gestimmten Trommel und da dem Offbeat.

Diese tief empfundenen Parallelen haben Worte gefunden und es zeigt uns, dass alles mit allem in Beziehung ist. Verbundenheit mit uns selbst und die Hingabe zum Leben stärkt unsere Seelenkraft. Ich sehe das Leben als großes Lernfeld und das Atelier als eine so wunderbare heilige Spielwiese, auf der unsere Potentiale Klang und Farbe finden. Wir dürfen uns zu jeder Zeit anerkennen als Wachsende – wer Neues erschafft, darf experimentieren. Alles darf sich frei entwickeln und nichts folgt einem bestimmten, vorgegebenen Plan. Das Erleben im Augenblick stärkt unsere Lebendigkeit. Leben ist Anfang ohne Ende, von immer währender Erneuerung, vom Versprechen der Wandlung und des inneren Wachstums. Schöpfertum im kreativen und persönlichem Ausdruck entspannt, erfrischt und erhellt, wenn wir dem Ganzen einen wertfreien Blick schenken. Wir brauchen nicht perfekt sein, es geht dabei weniger darum, was herauskommt, als vielmehr um den heilsamen Prozess. Jeder einzelne Schritt ist voller Schönheit. Die Ausrichtung ist entscheidend und unsere Anbindung zur Quellenkraft stärkt und nährt uns in all unserem Sosein im alltäglichen Leben.

Wertschätzend, liebevoll und kompetent begleite ich diese ureigenen Wachstumsprozesse formfindend im authentischen künstlerischem Ausdruck und spüre große Freude Schwingungen der Seele blühend auf dem Papier zu fühlen!